Weihnachten bringt uns zur Krippe, es bringt uns zur Mitte, zum Kern der frohen Botschaft: Da ist jemand Einmaliges zur Welt gekommen, Jesus. Jemand, der eine innere Verbindung hat, die bis in den Himmel reicht – dorthin, woher mein Leben seinen Sinn erhält.
Was ist für mich der Sinn in meinem Leben? – Das Jesuskind steht dafür, dass es in der Welt gegen allen Augenschein nicht um die Steigerung persönlicher Macht um jeden Preis geht. Wir wissen ja alle, wie wir in unserem Täglichen immer darauf bedacht sind, uns zu behaupten, uns zu verbessern, unseren Einfluss bzw. unsere Unabhängigkeit zu wahren.
Das Jesuskind aber steht dafür, dass das Kleine, das Geschwächte, das Verletzliche vor Gott und auf dieser Erde Wert hat. Das gibt meinem Leben Sinn und Anderen auch, die nicht am langen Hebel sitzen, weil sie nicht am langen Hebel sitzen wollen.
Bei einem Rückblick auf den 80. Jahrestag der Nürnberger Prozesse, auf den ich in instagram stieß, las ich ein Zitat des Psychologen Douglas M. Kelley über die 22 damals angeklagten Machtmenschen des sogenannten Dritten Reichs. Kelley hatte sie psychologisch untersucht. Diese NS-Männer, so Kelley, seien weder Monster noch geisteskrank gewesen, im Gegenteil von hoher Intelligenz. Gemeinsam aber sei ihnen zügelloser Ehrgeiz und schwach ausgebildete Moral gewesen. Kelleys Fazit: „Solche Menschen gibt es überall auf der Welt.“
Es sind Leute, die nach dem langen Hebel greifen. Dem Hebel, der ihnen Vorteile bringt, egal, ob andere dadurch Nachteile erleiden oder sogar ihr Leben verlieren.
Ja, Jesus ist solchen Leuten zum Opfer gefallen. Sie haben ihn beseitigen wollen. Doch das ist nicht gelungen. Wir feiern bald wieder seine Geburt. Und das seit mehr als 2000 Jahren. Überall kann dieser Sinnbringer gefeiert und an ihn erinnert werden: Zuhause, in Gruppen, in Gemeinschaft. Zuverlässig aber, und für alle sichtbar, wird er in den Kirchen gefeiert. – Paul Gerhard dichtete 1653:
„So laß mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.“
Vor diesen Weihnachten 2025, unmittelbar vor den großen Umbrüchen, vor denen die Kirchen stehen, möchte ich euch diese Worte ans Herz legen. Aber nicht für die persönliche Seligkeit, sondern für die Freude in der Gemeinschaft, die diesen Jesus feiert.
Sie, die Gemeinde, wir also, die wir uns dazu zählen, hat die wunderbare Aufgabe, in alle Zukunft das Kripplein zu sein, in dem das Jesuskind ankommt.
Und es kommt in Gestalt von Menschen, die von uns gesehen und angenommen werden wollen, von Menschen, die noch einen anderen Sinn suchen, als nur den langen Hebel.
Frohe Weihnachten wünscht Stefan Bauer





